Hintergrund Müll - Abfall - Wertstoffe

Müllberg unter Symbolen der EU, Deutschlands und des Landes BerlinInhalt

 

Begriffsbestimmung

Hausmüll ist eine bestimmte Abfallart, die sich dem Begriff „Siedlungsabfall“ subsumieren lässt. In der Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis (Abfallverzeichnisverordnung -AVV) werden unter anderem folgende Abfallarten definiert:

Siedlungsabfälle 

Siedlungsabfälle sind insbesondere die Abfallarten Hausmüll, Geschäftsmüll und hausmüllähnliche Gewerbeabfälle, Straßenkehricht und Sperrmüll.

  • Hausmüll
    Als Hausmüll werden Abfälle bezeichnet, die hauptsächlich aus privaten Haushalten stammen und von - durch die Kommune beauftragten - Entsorgungsträgern (in Berlin z.B.: BSR, ALBA) in genormten, im Entsorgungsgebiet vorgeschriebenen Behältern (d.h. in verschiedenfarbigen Mülltonnen, Säcken oder Containern) regelmäßig (z.B. wöchentlich) eingesammelt und der weiteren Entsorgung zugeführt werden. 
  • Geschäftsmüll
    Der Begriff Geschäftsmüll wurde zusätzlich eingeführt, um eine bessere Differenzierung des Anteils der gewerblichen Abfälle im Hausmüll zu erreichen. Als Geschäftsmüll werden Abfälle bezeichnet, die in Gewerbebetrieben anfallen und gemeinsam mit Hausmüll von dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger gesammelt werden. Geschäftsmüll fällt vorwiegend in Dienstleistungsbetrieben, Geschäften und Kleingewerbebetrieben an.
  • Sperrmüll
    Beim Sperrmüll handelt es sich um feste Abfälle, die wegen ihrer Sperrigkeit nicht in die im Entsorgungsgebiet vorgeschriebenen Behälter passen und getrennt vom Hausmüll gesammelt und transportiert werden.
  • Gewerbeabfälle
    Gewerbeabfälle fallen in Gewerbebetrieben, auch Geschäften, Dienstleistungsbetrieben, öffentlichen Einrichtungen und der Industrie an. Sie werden von dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger getrennt vom Hausmüll abgefahren, von den Abfallerzeugern selbst oder von beauftragten privaten Entsorgungsunternehmen an der Beseitigungsanlage angeliefert und gemeinsam mit dem Hausmüll beseitigt.
  • Straßenkehricht
    Bei Straßenkehricht handelt es sich um Abfälle aus der Straßenreinigung wie z.B. Straßen- und Reifenabrieb, Laub sowie Streumittel des Winterdienstes.

(Quelle: Abfallbilanz des Landes Berlin 2013)

 

Aktuelle Situation

Die Deponierung unbehandelter biologisch abbaubarer Abfälle ist in Deutschland seit 2005 untersagt. Damit wird in Deutschland praktisch kein unbehandelter Müll mehr abgelagert. Unbeschadet hiervon besteht jedoch die Deponierung von Abfällen entsprechend Deponieverordnung (DepV) vom 27. April 2009 fort.
Sie teilt das Depotgut in Klassen ein:

Deponieklasse 0 - für Inertabfälle,  z.B. unbelasteter Bauschutt (Inertabfälle unterliegen keinen wesentlichen physikalischen, chemischen oder biologischen Veränderungen. Sie sind weder brenn-, noch kompostierbar und beeinträchtigen Materialien, mit denen sie in Berührung kommen, nicht negativ im Sinne von Umweltverschmutzung oder Gesundheitsgefährdung. Die Auslaugbarkeit dieser Abfälle ist gering und die Ökotoxizität des Sickerwassers unerheblich. [lt. Richtlinie 31/1999/EG])

Deponieklasse I und II - für nicht gefährliche Abfälle, z.B. behandelte (verbrannte oder gerottete) Haus-, Gewerbe- und Industrieabfälle sowie für Einlagerungsstoffe ohne besonderen Überwachungsbedarf

Deponieklasse III – Sonderabfälle mit besonderem Überwachungsbedarf

In der Regel sind Abfälle aber zu recyceln, zu kompostieren oder energetisch zu verwerten.

Die öffentlich beauftragten Abfallentsorger sammelten im Jahr 2015 in Deutschland insgesamt 37,37 Mio. Tonnen Abfälle aus Haushalten ein. Das macht 455 Kilogramm pro Einwohner. Davon gehören
15,51 Mio. Tonnen zum Rest- und Sperrmüll, 12,08 Mio. Tonnen zu den Wertstoffen (Glas, Papier, Verpackung usw.). 9,66 Mio. Tonnen bestanden aus organischen Materialien und die Menge der gefährlichen sonstigen Abfälle betrug 0,53 Mio. Tonnen.

 

Zur Freude gibt die Entwicklung keinen Anlass. Denn in den Jahren 2000 bis 2015 sank zwar das Gesamtabfallaufkommen um etwa 14 %, was das Umweltbundesamt aber im Wesentlichen auf statistische und konjunkturbedingte Effekte zurückführt. Im Bereich der Siedlungsabfälle sank das Volumen von 50,1 Mio. Tonnen im Jahr 2000 auf 48,5 Mio. Tonnen in 2009, stieg dann jedoch auf 51,6 Mio. Tonnen 2015 an. Das Volumen der "haushaltstypischen Abfälle" - also der Fraktion, die wir am direktesten mit unserm Konsumverhalten beeinflussen - stieg von 40,8 Mio. Tonnen in 2006 an auf 45,9 Mio. Tonnen im Jahr 2015.

Die gesamten Bürger der EU trugen laut Angaben der Statista in 2014 einen Haushaltsabfallberg von etwa 207 Mio. Tonnen zusammen. Der deutsche Anteil hieran machte 36,8 Mio. Tonnen aus und war damit für die EU28 recht hoch.
476 Kilogramm an kommunalem Abfall (welches etwa dem Haushaltsabfall entspricht) produzierte der einzelne EU-Europäer - zum Vergleich, der durchschnittliche Deutsche: 625 Kilogramm.
Somit belegen wir im Pro-Kopf-Produzieren von Haushaltsabfall einen unrühmlichen dritten Platz. Der einzele Rumäne ist übrigens für nur 247 Kilogramm Haushaltsabfall verantwortlich.

Besser schneidet Deutschland beim Recyceln von Wertstoffen ab. Hier belegt unser Land hinter den Niederlanden und Belgien einen lobenswerten 3. Platz.
Blickt man auf die Recyclingquote der sog. kommunalen Abfälle, die neben Haushaltsmüll auch ähnliche Abfälle aus kleinen Unternehmen und Behörden miteinbezieht, steht Deutschland 2010 sogar an der Spitze (EUROSTAT-Pressemitteilung vom 27.03.2012)

Die Bilanz in Berlin

Die Recyclingquote Berlins war 2016 noch deutlich verbesserungswürdig:

Es wurden 827.000 Tonnen Hausmüll eingesammelt, d.h. Restabfall, der nicht recyclt sonder thermisch verwertet - sprich: verbrannt - wird.
An recyclebaren Wertstoffen kamen 355.000Tonnen zusammen.
Das entspricht einer Recyclingquote von nur 27 %. Verbrannt wurden etwa  63 % der Haushaltsabfälle. (Quelle: BSR-Entsorgungsbilanz 2016)
Durch optimale Abfalltrennung und durch Abfallvermeidung können Sie dazu beitragen, diese Zahlen zu verbessern.

Die folgende Grafik zeigt die Gewichtsanteile der verschiedenen Abfallfraktionen des Berliner Hausmülls auf und macht damit deutlich, welches Potenzial an Wertstoffen in unseren Tonnen schlummert.

Abfallbilanz Hausmüll Berlin 2010: Biogene Abfälle 41,9%, Holz 0,3%, Textilien 6,3%, Invertes 2,1%, Problemabfälle 0,3%, Sonstiges 10,9%, Rest 4,9%, Papier 11,34 %,  Glas 6,8%,  Kunstoff 6,6%, Metall 2,1%
Zusammensetzung des Hausmülls in Berlin (Berliner Abfallbilanz 2015)

 

In 2016 lag das Aufkommen an Haushaltsabfall pro Bürger in Berlin übrigens bei 247 Kilogramm im Vergleich zu 188 Kilogramm pro Bundesbürger. Der Berliner liegt damit nach dem Hamburger an zweiter Stelle der Abfallproduzenten in Deutschland.

Wie Sie beim Einkauf und beim Umgang mit Haushaltsabfall zum Schrumpfen des Müllbergs beitragen können, erfahren Sie in unseren Kapiteln:

> Mülltrennung

> Müllvermeidung

> In unseren Hintergrundkapiteln finden Sie weitere Informationen zum Thema Sondermüll.

Autor: Andreas Pützer

Bild: freepik.com © jonnyberg
 

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