Berliner Altglassammlung im Wandel: Bürger suchen ihre Glastonnen

Schon in den letzten Wochen des vergangenen Jahres vermissten viele Bürgerinnen und Bürger in den Bezirken Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick ihre Glastonnen im Hof. Ab dem 1. Januar 2014 wurde es dann auch offiziell: Auf jedem Grundstück, das bis zu 300 Meter Luftlinie entfernt von einem Glasiglu im öffentlichen Straßenland liegt, wurden die Tonnen für Weiß- und Buntglas abgezogen. Dies hat die Der Grüne Punkt Duales System Deutschland GmbH (DSD) veranlasst. Begründung: Dies sei notwendig, um die schlechte Berliner Altglasqualität zu verbessern. Glashütten würden sonst die Berliner Scherben gar nicht mehr einsetzen können. Dass die Tonnen im Hof wirklich für schlechteres Altglas sorgen als die Container im Straßenland, bezweifeln sowohl die Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus, als auch betroffene Wohnungsbaugesellschaften und weitere politische Akteure. (Zur fachlichen Einschätzung des BUND lesen Sie auf dessen Internetpräsenz die Pressemitteilung zum Thema Altglassammlung vom 16. Januar 2014.)

Das neue System mittragen müssen nun die Bewohner aller Häuser, aus deren Höfen die etwa 8.500 Tonnen verschwunden sind. Damit ihr Altglas auch weiterhin recycelt werden kann, müssen sie nun die längeren Wege bis zum nächsten Straßencontainer in Kauf nehmen. Wo sich das nächste Iglu befindet, kann man hier erfahren. Der Hoftonnenschwund wird sich noch mindestens bis zum Ende des Jahres in den drei Bezirken fortsetzen: So lange dauert der vom DSD mit dem Berliner Senat vereinbarte „Modellversuch“. Das Ergebnis eines begleitenden Gutachtens soll dann nach einem Jahr entscheiden, wie es weitergeht: Wenn sich durch das Zurückdrängen der Hofsammlung und neue Iglus die Glasqualität spürbar verbessert, so kann es in ganz Berlin zum Verschwinden weiterer Hoftonnen kommen. Bereits ab 2015 kann dies auch die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Mitte, Pankow und Reinickendorf betreffen, ab 2016 dann auch Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Dann vergibt das DSD neue Aufträge für die Altglaserfassung in den entsprechenden Sammelgebieten.

Trotz des zusätzlichen Aufwands durch den längeren Weg zum Straßencontainer gibt es auch für die jetzt bereits Betroffenen weiterhin gute Gründe, ihr Glas zu trennen:

  • Klimaschutz: Durch jede Tonne recycelten Berliner Altglases können 465 Kilogramm CO2 vermieden werden. Damit könnten Sie die Strecke Berlin-Stuttgart zwei Mal mit dem Flugzeug und zusätzlich vier Mal mit dem ICE zurücklegen! (Quelle: Studie des ifeu-Instituts im Auftrag des Berliner Senats vom September 2012 zur klimafreundlichen Abfallentsorgung in Berlin; Pendos CO2-Zähler)
  • Ressourcenschonung: Der Einsatz von einer Tonne Recyclingglas ersetzt bei der Herstellung etwa 700 Kilogramm Quarzsand, 190 Kilo­gramm Soda, 150 Kilogramm Kalkstein, 80 Kilogramm Dolomitstein und 50 Kilogramm Feldspat. (Quelle: Trenntstadt Berlin) Weitere Informationen zur Verwertung von Altglas finden Sie in unserem Hintergrundartikel zum Thema.
  • Kosten: Wenn Sie Ihr Altglas in die Restmülltonne werfen, zahlen Sie doppelt! Für die Abholung der Iglus und Glastonnen haben Sie bereits beim Kauf der Glasverpackung im Laden einen Beitrag gezahlt. Für die graue Tonne bezahlen Sie noch einmal extra eine Gebühr über Ihre Mietnebenkosten. Ihre Restmüllmenge sollten Sie also auch aus Kostengründen möglichst gering halten.

Damit das Trennen im Hof noch besser klappt, bekommen Haushalte in den Postleitzahlgebieten 10315, 10317, 10318 und 10319 für ihre Glastonnen ab März neue verschließbare Deckel mit Einwurfloch. Damit soll verhindert werden, dass Flachglas wie Fensterscheiben oder Aquarien in die Tonnen geschmissen werden kann. In der Glastonne wird ausschließlich Verpackungsglas gesammelt. Andere Glasarten haben eine abweichende chemische Zusammensetzung, enthalten Zusatzstoffe oder haben einen höheren Schmelzpunkt. Sie können daher nicht gemeinsam mit dem in die Altglastonne gehörenden Verpackungsglas recycelt werden. Das gilt zum Beispiel auch für Trinkgläser aus Kristallglas.

Mehr Informationen zur Altglastrennung erhalten Sie in unserem Service-Bereich. Für eine ausführliche Beratung zur Abfalltrennung und -vermeidung in Ihrem Haushalt können Sie sich hier anmelden.

 

> Mehr Infos zur Glassammlung in Berlin in unserem Service-Bereich

> Zum Standort der Glasiglus bzw. Straßencontainer für Altglas in Ihrer Nähe

> Weitere Informationen zum Altglasrecycling in unserem Hintergrundartikel "Glas" und auf Trenntstadt-Berlin

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