Elektroschrott

Inhalt

 

Elektroschrott besteht im Wesentlichen aus Metallen, Kunststoffen und Glas. Enthalten sind aber oft auch Schwermetalle wie Blei, Arsen, Kadmium und Quecksilber, außerdem toxische und umweltschädliche Substanzen wie Halogenverbindungen und krebserregende Dioxine.
Problematisch ist, dass Elektrogeräte heutzutage eine immer kürzer werdende Nutzungsdauer haben.

 

Fakten und Trends

Daher fällt auch immer mehr Elektroschrott an: Weltweit waren es 2014 rund 41,8 Mio. Tonnen. Deutschland war mit1,8 Mio. Tonnen dabei. Das sind 21,6 Kilogramm pro Kopf. (Quelle: Untersuchung der United Nations University). Die Tendenz ist steigend.

Seit 2005 muss jeder EU-Mitgliedstaat ein E-Schrott Recycling-System besitzen, das mindestens 4 Kilogramm pro Person und Jahr recyceln soll. Für die Zukunft sieht die europäische Elektroschrott-Richtlinie WEEE eine weitere Steigerung der Sammel- und Recyclingquoten vor: Bis 2019 sollen schrittweise 65 % aller verkauften Neugeräte zur Entsorgung bzw. Verwertung wieder erfasst werden. Je nach Gerätetyp müssen davon 55 bis 80 % recycelt werden.

In Deutschland verpflichtet das Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) die Hersteller zur fachgerechten Entsorgung und Verwertung ihrer E-Produkte. Dies tun sie in der Regel in Zusammenarbeit mit den Kommunen (bzw. mit den von diesen beauftragten Unternehmen) sowie mit dem Handel, die die Sammlung der Elektroaltgeräte übernehmen.

2015 wurden in Deutschland auf diese Weise 591.000 Tonnen pro Jahr (Quelle: Statistisches Bundesamt, Abfallbilanz 2015) gesammelt und fast vollständig einem Verwertungsprozess zugeführt. Das sind über 7 Kilogramm pro Bundesbürger. Im Jahr 2006 waren etwa 1,8 Mio. Tonnen Neugeräte in Deutschland verkauft worden. Demgegenüber waren 754.000 Tonnen Altgeräte entsprechend dem Elektro-Gesetz eingesammelt worden. Das sind knapp 42 % der Verkaufsmenge. Für die neue Vorgabe der EU von 65 % bis 2019 muss diese Quote also noch deutlich gesteigert werden.

 

Problem Elektroschrott-Exporte

Verwunderlich erscheint auf den ersten Blick die große Diskrepanz zwischen der verkauften und der eingesammelten Menge in Deutschland. Auch wenn man davon ausgehen mag, dass ein Teil der jährlich gekauften Neugeräte noch in Gebrauch ist oder in heimischen Schubläden oder Kellern schlummert, stellt sich die Frage nach dem Verbleib des schadstoffhaltigen Elektroschrotts. So scheint auch aus Deutschland eine große Menge funktionsunfähiger Altgeräte exportiert zu werden. Und das, obwohl dies illegal ist. Legal wäre lediglich die Ausfuhr gebrauchter Produkte. Das Umweltbundesamt, geht in seiner Studie zu Elektroschrottexporten nach Afrika und Asien davon aus, dass es sich bei einem Großteil der dorthin ausgeführten 155.000 Tonnen Elektroprodukte um Gebrauchtware handelt. Darunter vermutet es einen Anteil von Elektroschrott von Geräten, die das in Deutschland rechtlich vorgesehene Entsorgungsystem von Herstellern, von kommunal beauftragten Entsorgern und von Händlern niemals erreicht haben. Auch Greenpeace bewertet die Sammelresultate als mager und nicht ausreichend für eine legale Entsorgung des gesamten anfallenden Elektroschrotts (Quelle: www.heise.de). Wertstofftonnen zur haushaltsnahen Erfassung von Elektrokleingeräten wie die Orange Box und die Gelbe Tonne plus in Berlin sollen dazu beitragen, mehr Elektroschrott einer legalen Entsorgung und umweltgrechten Wiederverwertung zuzuführen.

Wie Sie optimal mit Ihren alten oder defekten Elektrogeräten umgehen, erfahren Sie in unserem Service-Bereich im Artikel Recyclinghöfe - Sperrmüll/Elektroschrott. Wissen Sie nicht, wohin Sie Ihre kleineren Elektrogeräte entsorgen sollen, und scheuen Sie den vielleicht weiten Weg zum Recyclinghof, informieren Sie sich >>hier über alternative Entsorgungsmöglichkeiten für Handy, Rasierer, Fön und Co.

Auch in anderen Industriestaaten - sei es in Europa, in den USA oder Australien - wird der E-Schrott oftmals in Schwellen- und Entwicklungsländer exportiert. Schätzungsweise 50 bis 80% des Elektroschrotts westlicher Industrieländer werden auf diese Weise verschoben. In Afrika zerlegen dann die Ärmsten der Armen - darunter viele Kinder - den Schrott in seine Bestandteile. Hierbei kommen giftige Säuren, unprofessionelle Werkzeuge, Steine oder die bloßen Hände zum Einsatz. Feuer mit giftigen Dämpfen helfen, die Sekundärrohstoffe, wie Metall, vom Kunststoff zu trennen. Dann werden die Rohmaterialien und brauchbare Einzelteile verkauft. Für die betreffenden schwarzen Schafe unter den Entsorgungsunternehmen macht diese Form der Abfallbeseitigung ökonomisch Sinn, weil der giftige Müll entweder in illegalen Deponien kostenlos eingelagert oder an jene verkauft wird, die ihn dann - unter Einsatz der Gesundheit - zerlegen.

Zu den ökologischen, sozialen und gesundheitlichen Folgen des Elektroschrottexports lesen Sie z.B. die Beiträge auf Spiegel-Online Gold-Berge auf Müllhalden und Europas Gift verseucht Spielplätze in Afrika oder die Studie von Greenpeace zur Situation in China und Indien.

Mehr hierzu auch in den beiden Hintergrundartikeln:

Problem Rohstoffverluste

Neben den katastrophalen Folgen in den Importländern unserer Elektroabfälle bringt der Export von Elektroschrott noch einen weiteren ökoligischen Nachteil mit sich: Die in den Geräten verbauten  zum Teil äußerst wertvollen Rohstoffe gehen unserem Wirtschaftskreislauf verloren.

 

Beispiel Handy:

Handys enthalten viele Edelmetalle und kostbare seltene Erden: In jedem Mobiltelefon sind etwa 8,75 Gramm Kupfer, 3,81 Gramm Kobalt, 0,25 Gramm Silber, 0,024 Gramm Gold und  0,009 Gramm Palladium verbaut. Somit enthalten die rund 85 Millionen Geräte in Deutschland etwa 745 Tonnen Kupfer, 325 Tonnen Kobalt, 22 Tonnen Silber, 2 Tonnen Gold und 700 Kilogramm Palladium im Gesamtwert von rund 136 Mio. Euro.

Oder ganz anschaulich:

  • 40 Handys enthalten dieselbe Menge Gold wie eine Tonne Golderz
  • Aus dem Geld von 400 Telefonen lässt sich ein Goldring (750er Gold, 10 Gramm) herstellen.
  • Würden alle Mobiltelefone Deutschlands optimal recycelt, könnte der Goldimport um 40 % reduziert werden.

(Quelle: Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit)

 

Die kurze Lebensdauer von durchschnittlich 2 Jahren bei Computern und noch weniger bei Handys ist auch aufgrund des enormen Ressourcenbedarfs zur Herstellung vieler elektronischen Produkte ökologisch äußerst fragwürdig. Um z.B. einen neuen PC herzustellen, sind unter Berücksichtigung der Energie- und Rohstoffgewinnung rund 14 Tonnen Material und 33.000 Liter Wasser notwendig.

 

Reparatur und Recycling

Zu empfehlen wäre daher als ökologischste Form der Wiederverwertung die Reparatur. Da diese in einem automatischen Verfahren aber nicht möglich ist, machen die Arbeitskosten eine Reparatur meist unökonomisch.

Oft ist eine Reparatur auch gar nicht gewünscht - zum einen, weil der Hersteller lieber neue Produkte verkauft als langlebige reparable Geräte zu produzieren, zum anderen weil der Konsument lieber technischen und modischen Entwicklungen Rechnung trägt und ein neues Gerät wünscht. In diesem Zusammenhang spricht man entweder von geplanter oder von psychischer Obsoleszenz.

Wie sich Verbraucher gegen eine geplante Obsoleszenz der Hersteller wehren können, erfahren Sie in unserem Service-Bereich. Hier finden Sie auch Anlaufstellen für eine Reparatur von Elektrogeräten.

Das Recycling elektrischer Geräte kann kompliziert und aufwendig sein, da die Bestandteile manuell von einander getrennt werden müssen, wobei häufig noch Giftstoffe oder umweltschädliche Materialien abzusondern sind. Durch steigende Rohstoffpreise ist die Wiederverwertung von Metallen heutzutage rentabel. Viele Bestandteile, wie Kunststoffe, werden jedoch energetisch verwertet, das heißt in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Bleihaltiges Glas von Bildröhren wurde bisher wieder zur Herstellung von Bildröhren benutzt. Da die neuen Flachbildschirme diese aber weitgehend verdrängen, wird derzeit nach einer anderen Wiederverwertungsmöglichkeit gesucht. Umweltschädliche und giftige Stoffe werden entweder verbrannt oder als Sondermüll eingelagert.

 

Autor: Andreas Pützer

Bild: © Frank Radel  / pixelio.de

 

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