BIOGUT-Tonne

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Organische Abfälle machen rund ein Drittel des Hausmülls aus. Diesen können Sie im eigenen Garten selber kompostieren. Insekten und Mikroorganismen verwandeln Küchenabfälle und Grünschnitt in Kompost, der sich hervorragend zur Bodenverbesserung eignet. Häufiges Wenden des Biogutes ist dabei für die Durchlüftung wichtig. So werden Schimmelbildung, klimaschädliche Methanentwicklung und unangenehme Gerüche vermieden. Informationen zum Kompostieren im eigenen Garten bietet u.a. die Stiftung Warentest an. Außerdem gibt es von der BSR weitergehende Informationen in der Broschüre Nachtisch - Ratgeber BIOGUT und Kompostieren. Hilfreiche Tipps für alle Berliner gibt auch der Flyer von BSR und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Gartenabfälle clever entsorgen.

 

Die BIOGUT-Tonne in Berlin

Sollten Sie wie die meisten Berliner keinen eigenen Garten haben, ist die braune BIOGUT-Tonne der richtige Weg zur Entsorgung. Diese wird von der BSR bereitgestellt, die so im Jahr 2016  130.936 Tonnen Biogut und Grünschnitt einsammeln konnte. Dies entspricht durchschnittleich 37 Kilogramm pro bürger (Quelle: Tenntstadt Berlin).

Ganze 82 Kilogramm organische Abfälle landen pro Jahr und Kopf dagegen in den Berliner Restmülltonnen. Potenziale zu einer hochwertigen Verwertung zu Biogas und Kompost werden so frühzeitig verschenkt. So machen die organischen Bestandteile über 40 % des Gewichts in den grauen Tonnen in Berliner Privathaushalten aus - darunter oft große Mengen feuchter Lebensmittelabfälle. Zusammen mit dem übrigen Inhalt der Restmülltonnen werden sie verbrannt.
In den braunen BIOGUT-Tonnen wird der organische Abfall im 1- oder 2-Wochen-Rhythmus abgeholt - wann bei Ihnen das nächste Mal, können Sie hier erfahren. Der Inhalt kommt zur Vergärung in die im Juni 2013 offiziell eröffnete Biogasanlage der BSR. Hier können etwa 60.000 Tonnen Bioabfall pro Jahr hochwertig zu Biokraftstoff und Kompost verwertet werden. Die BSR betankt mit dem Gas einen erheblichen Teil ihrer Fahrzeugflotte. So können jährlich 2,5 Mio. Liter Diesel und 9.000 Tonnen CO2 gespart werden (Quelle: BSR). Vorher wurde der Berliner Biomüll auf Großkompostierungsanlagen im Umland gebracht. Solche Anlagen werden aufgrund von Methanausstoß und Bodenbelastung jedoch oftmals als ökologisch fragwürdig bewertet.

Der Berliner hat die Tonne gut angenommen. Im Jahr 2016 sammelte er insgesammt 130.936 Tonnen Biogut und Grünschnitt. Pro Kopf sind das 37 Kilogramm. (Quelle: Trennstadt Berlin)

 

Das gehört rein
  • Obst- und Gemüsereste
  • Kaffeesatz inklusive Filter
  • Tee und Teebeutel
  • Eierschalen
  • Essensreste (auch Gekochtes)
  • verdorbene Lebensmittel (auch Fleisch)
  • Blumen
  • Gartenabfälle (auch Rasenschnitt)
  • Grün- und Strauchschnitt, Lauch
  • Zeitungs- oder Küchenpapier
Das gehört nicht rein
  • Verpackungen
  • Kunststoff
  • Alufolien, Metalle
  • Staubsaugerbeutel
  • Asche
  • Textilien, Leder
  • behandeltes Holz
  • Binden, Windeln
  • Katzenstreu und Fäkalien
  • Erde, Sand, Kies, Steine

 

Unser Tipp:

Legen Sie Ihren Bioabfalleimer mit Zeitungspapier aus und wickeln Sie feuchte organische Abfälle ebenfalls in altes Zeitungs- oder Küchenpapier. Das Papier saugt die Feuchtigkeit auf und verhindert so Gerüche, Schimmelbildung sowie Madenbefall. Das Papier kann gemeinsam mit dem Biogut in die braune Tonne entleert werden.

 
Exkurs: Keime und Schimmel im Bioabfall:

Keime und Schimmelpilze und deren Sporen befinden sich überall auf der Welt, in der Natur, in unseren Städten, Häusern und Räumen.
Manche Schimmelpilze züchten wir und nutzen sie - zur Produktion von Käse etwa, oder von Kefir. Mit Hilfe von Bakterien entsteht etwa gesunder Joghurt. Weniger gerne mögen wir Keime und Schimmel auf der Marmelade oder der Fleischwurst.

Schimmelpilze ernähren sich von organischen Substraten. Diese enthalten nämlich Energieträger wie Zucker, Aminosäuren, Zellulose und Fette.
All diese Stoffe finden sich in unseren Essensresten zu Hauf – also auch in unseren Biotonnen.  In der Natur tragen Schimmelpilze zur Zersetzung organischer Stoffe bei und sind daher nützliche Lebewesen. In unserem direkten Umfeld können manche von ihnen unsere Gesundheit schädigen – etwa beim Einatmen.  Aspergillus fumigatus - der gefährlichste von Ihnen - kann im menschlichen Atemtrakt Infektionen verursachen. Außerdem können Sporen bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen und Reize hervorrufen.
Da sich die Pilze bei Wärme besonders gut entwickeln, kann es im Sommer vorkommen, dass uns beim Öffnen der Biotonne eine übel riechende Wolke entgegentritt. Der Geruch ist aber eher ein ästhetisches Problem als ein gesundheitliches. Trotzdem können Millionen von Sporen von, vor allem wärmeliebenden, Schimmelpilzen enthalten sein.
Das Immunsystem eines gesunden Menschen wird aber auch mit einer erhöhten Belastung von Schimmel und Keimen ohne Probleme fertig.
Stark Immungeschwächte Menschen sollten jedoch vorsichtig sein: Halten Sie den Inhalt der Biotonne möglichst trocken, etwa durch Zusatz von alten Zeitungen, Spänen oder ähnlichem. Besonders effektiv ist die Ausrüstung des Bioabfallgefäßes mit einem speziellen Filterdeckel. Dieser vermeidet Geruchsentwicklung und reduziert Maden- wie  Schimmelpilzbildung. Reinigen Sie den Eimer gelegentlich und lassen sie diesen dann trocknen.

 
"Bioplastik"-Tüten nicht in die BIOGUT-Tonne

Nicht zu Unrecht wird Bioplastik heute als eines der Materialien der Zukunft in der Verpackungsindustrie gesehen. Statt auf Erdölbasis werden Kunststoffe zunehmend auf der Grundlage biologischer, nachwachsender Rohstoffe, z.B. Mais oder Zuckerrüben, hergestellt. Damit könnten Biokunststoffe theoretisch als CO2-neutral und biologisch abbaubar angesehen werden.

In der Praxis werden derzeit aber Verpackungen oder (Bio-)Abfallbeutel aus Bioplastik in der Regel weder recycelt, noch in Biogas- oder Großkompostierungsanlagen aufbereitet. Bioplastiktüten und andere Biokunststoffe sollten daher nicht in die Bio- und auch nicht in die Wertstofftonne geworfen werden. Sie müssen in die graue Restmülltonne und werden verbrannt.

Ein Grund dafür liegt in der Vielzahl unterschiedlicher Biokunststoffe am Markt. Zudem gibt es keine einheitlichen Labels oder Kennzeichen für Bioplastik. Weder wird die Dauer bis zur vollständigen Kompostierung, die sog. Rottezeit, klar eingegrenzt, noch die Zusammensetzung des Kunststoffs eindeutig definiert. Zahlreiche Mischformen mit erdölbasierten Anteilen sind ebenfalls unter der Bezeichnung Biokunststoff auf dem Markt zu finden. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Bioplastikarten sind Recyclingverfahren für diese noch wenig verbreitet. Weil die Rottezeiten oftmals zu lang sind und bei der Vorsortierung Bioplastik nicht von anderen Kunststoffen unterschieden werden kann, sind z.B. auch Bioabfalltüten in der Regel nicht für den Verwertungsweg von der braunen Tonne in die Biogasanlage oder in die Großkompostierung geeignet. Dies gilt auch, wenn z.B. auf den Bioplastikmüllbeuteln ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass diese vollständig kompostierbar bzw. biologisch abbaubar seien.

Größter ökologischer Nachteil von Biokunststoffen ist der im Vergleich zu konventionellem Plastik große Energieaufwand bei der Produktion. Ebenfalls negativ sind die Förderung großer Monokulturflächen (Mais etc.), der damit einhergehende erhöhte Pestizideinsatz sowie der aus diesen Faktoren resultierende Verlust an Artenvielfalt zu werten.

Das Umweltbundesamt kommt in einem Beitrag von Juni 2017: "Unterm Strich muss man ... derzeit sagen: Biobasierte Kunststoffe sind noch längst nicht umweltfreundlicher als herkömmliche Kunststoffe."

 
Kosten für den Verbraucher

Die braune BIOGUT-Tonne ist kostenpflichtig. Sie ist jedoch weniger als halb so teuer wie die graue Restmülltonne. Die genauen Preise zu den unterschiedlichen Tonnengrößen und Abholrhythmen finden Sie auf den Seiten der BSR. Das getrennte Sammeln von Bioabfällen lohnt sich finanziell auf jeden Fall. Die Entsorgung von z.B. Lebensmitteln über den Restmüll ist der deutlich kostspieligere Weg. Eine sinnvolle Alternative bzw. Ergänzung bietet die Eigenkompostierung im Garten.

Zudem gibt es in vielen Haushalten enorme Potenziale bei der Verminderung von Lebensmittelabfällen. Verringern Sie also Ihre Biomüllmenge durch bewusstes Einkaufen oder dadurch Lebensmittel nicht vorschnell wegzuwerfen, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Joghurt hält sich beispielsweise meist weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. Während man bei Fleisch sehr vorsichtig sein sollte, wenn das Datum überschritten ist. Hier gilt: Im Zweifelsfalle doch in die BIOGUT-Tonne!

> "Wurmwelten" bietet Tipps zum Selberkompostieren".

> Und hier finden Sie Hintergrundinfos zur Verwertung biogener Abfälle.

Bildnachweis: ©Wilhelmine Wulff,  pixelio.de

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